Eine Radfahrt durch Deutschland im Sommer Teil 3
Süddeutschland
Nachdem ich den Stoneman überstanden habe, geht es über die Eifel gen Süden. Ich fahre ein paar Stücken mit der Bahn. Später fahre ich Teile des Donauradwegs. Die Tour endet in Thüringen.
Tag 12
Monschau - Rheinbach 75km
Komoot hast mich über nicht existierende Wege geführt, wie auch 2 andere Bikepacker. Die sind dann aber wieder schneller geworden und wollten mit mir nicht reden. Beim Tragen des Rades den Weg hinunter zum Rurstausee hatte ich Angst, es war sehr steil und rutschig. Der Radweg um den Rurstausee ist sicher toll, ich bin ihn nur kurz gefahren, hatte dafür aber diesen miesen Abstieg. Die Beine sind noch schwer von den 3 Tagen in den Ardennen. Der Wind bläst Mal wieder heiß von vorn. Am Ende aber schön im Waldhotel Rheinbach eingecheckt. Empfehlung!
Blick auf den Rursee
Tag 13
Rheinbach - Filsen 90km
Die Entfernungs-optimierte Strecke ging häufig an befahrenen Straßen entlang. Bin quasi zufällig durch Bad Ahrweiler gefahren, das ist schon noch frustrierend. In fast allen Häusern an der Ahr ist die untere Etage noch unbewohnt. Der Radweg am Rhein später ist rumpelig und nicht durchgehend. Das hat mir Rheinland Pfalz natürlich nicht sympathischer gemacht. Auch Koblenz konnte das nicht herausreißen. Habe einen Chicken Burger in der City gegessen, war billig und OK. Das Hotel in Filsen (Altes Tor) macht mir richtig Angst. Besitzer hat starken russischen Dialekt und steht leicht unter Alkoholeinfluss. Das Fahrrad soll ich irgendwo auf dem Hof abstellen, ist alles sicher hier, Smiley. Filsen ist die Trostlosigkeit pur. Am Ende war das Frühstück richtig gut, kein Plastik, super liebevoll gemacht. Im Unterschichtenradio wird der sonnige Tag freudig angekündigt, oh Mann.
Das Frühstück ist viel besser als erwartet
Interessant und auch schön war die Bahnfahrt von Boppard nach Mainz. Die vielen kleinen Burgen auf der anderen Seite des Rhein und dazwischen der Weinanbau. Zum Radfahren ist das wohl eher nix, der Rhein ist beidseitig gut mit Straßeninfrastruktur ausgebaut.
Ehemalige Straße bei Bad Ahrweiler
Bonus Stage - Tolle Gravel Runde mit meinem Sohn durch die Wälder südlich von Filderstadt.
Tourguide
Tag 14
Geislingen an der Steige - Ulm 34km
Kurzer Trip von Geislingen an der Steige nach Ulm. Zuerst hatte ich keine Lust und auch keine Kraft, anfangs ging es dumm an der B10 entlang. Später kam aber Freude zurück. Vor Ulm habe ich ein gruseligses Gewerbe/ Logistik Gebiet gesehen, riesig. Das Radwegenetz vor und in Ulm geht in Ordnung.
Zugfahrt nach Geislingen
Tag 15
Ulm - Neuburg an der Donau 127km
Der Donau-Radweg fährt sich schön, jedoch macht er seltsame Umwege in den Orten. Die beiden Anstiege am Ende waren unerwartet und hart. Es gibt nur wenig Einkehr Möglichkeiten auf der Strecke. Das Hotel in Neuburg ist Klasse, Toller Biergarten, tolle Fahrrad Garage, tolle Zimmer.
Vater und Sohn
Geflügel im Weg
Tag 16
Neuburg an der Donau - Walhalla (Regensburg) 138km
Wieder Donau-Radweg, wieder schön. Wir wussten, es wird lang und hart. Dann ist es umso dümmer, wenn man das Profil der Strecke nicht kennt. Der Anstieg hinter Kelbach war böse, die Anstiege vor Regensburg (wegen einer Abkürzung) haben mir den Rest gegeben. Wie haben es trotzdem nach Walhalla geschafft, wir haben auch unsere Züge in Regensburg bekommen. Das Cultellus Hotel in Passau ist der Hammer, auch wenn es schwer zu finden ist, die Gasse zum Hotel ist kaum wahrzunehmen. Mein Fenster ist etwa 4 Meter vom Fenster des gegenüber liegenden Hauses entfernt. Man schaut sich die Augen… Das Haus ist aus dem 16. Jahrhundert, als die Steuern noch nach der Anzahl der Fenster bezahlt wurden.
Walhalla
Tag 17
Passau - Metten 68km
Habe Uwe auf dem Domplatz getroffen, wir waren verabredet. Er hat die ganze Nacht nicht geschlafen im Zug, ich hatte noch schwere Beine. Wir sind bis Metten gefahren, schön langsam. Wir sind viel an großen Straßen entlang gefahren, auch am Deggendorf, sehr trostlos. Da hätte ich gleich in Luckenwalde bleiben können. Habe im Biergarten vom Mettener Hof lecker Schnitzel gegessen und mit Uwe über alte Zeiten gequatscht.
Passau
Uwe
Tag 18
Metten - Sarching 83km
Endlich Regen! Der ehrenamtliche Tourismus Beauftragte von Klein Schwarzach hat uns den freundlichen Rat gegeben, wie mögen dich nicht der offiziellen Umleitung folgen und besser die Fähre in Mariaposching nehmen, geiler Tipp. Wir haben gelernt, dass die vielen Umleitungen zwischen Passau und Regensburg dem Umweltschutz, Smiley dienen (Ausbau der Donau für die Schifffahrt). Bis 2030 ist der Donau-Radweg für’s Gesäß. Der Donau-Radweg besteht hier aus Umleitungen, die den Radtouristen nur frustrieren. Nett an der A3 entlang gefahren. Wir haben in Straubing die Besucher des Gäubodenfestes bewundert. Uwe wollte die Bonus-Donauschleife mitnehmen. Ich habe es akzeptiert. Die Pension am Donaubogen ist toll, das waren mal Schweineställe. Das Hotel liegt im nördlichsten Dorf südlich der Donau!
Walhalla von unten
Tag 19
Sarching - Dietfurt an der Altmühl 87km
Wir verlassen den Donau Radweg, es geht den D11 entlang. Toller Radweg an der Altmühl entlang. Es fahren zwar viele E-Bikisten, es war halt Sonntag. Das Hotel in Dietfurt ist sehr preiswert aber auch sehr herunter gekommen. Das Frühstück war wiederum OK. Und es gab eine riesige Garage für Fahrräder. Die war voll, alle haben am Morgen gleichzeitig die Sättel gezurrt.
Ich
Tag 20
Dietfurt - Schwand 75km
Uwe tut sich schwer mir der Adaption an den schwächeren Heiko. Er ist fitter, hat weniger Gepäck. Er sagt, er fährt ganz gleichmäßig, jaja. Wir kriegen das Streiten. Uwe fährt nach Wegweisern und ich fahre nach Garmin, wir fahren jeder (zunächst versehentlich) andere Wege. Ich mache mehr Höhenmeter, Uwe macht mehr Kilometer. Wir treffen uns wieder, fahren dann (nicht versehentlich) getrennt weiter. Mit gefällt der Radweg am Main-Donau-Kanal eben weil er schnurgerade verläuft. Es fährt kein Schiff, kein Auto, kaum Radfahrer. Ich schaue mir die Schleuse Leerstetten an und liege zum ersten Mal eine Stunde im Gras. Das Hotel zum Schwan finde ich toll mit seiner alten Bausubstanz. Ich überlege, ob ich die letzten 270km bis Masserberg an 4 oder 5 Tagen abreiße. Ich hätte einen Urlaubstag mehr in Masserberg. Ich freue mich auf das Ende.
Uwe und ich
Tag 21
Schwand - Bamberg 95km
Ich fahre wieder allein. Die ersten Kilometer gehen toll über Felder und durch Wald, es ist nicht mehr der offizielle D11. Der Verbindungsradweg zwischen Nürnberg und Fürth ist schön, hier fahren viele Menschen, Normalos ohne Motor. Heute realisiere ich, der Main-Donau-Kanal ist öde, kein Schatten, langweilig, es kommt der Gegenwind dazu. Uwe hatte Recht, es fahren nicht einmal Schiffe hier, eines habe ich gesehen den ganzen Tag. Ich treffe kurz Jürgen aus Lübeck (Kampfbikepacker mit Canyon Crosser). Er fährt allein von Oberstdorf zurück nach Lübeck. Er sagt, er mag es allein und glaubt nicht, dass man sich auf so einer Tour mit anderen einigen kann über die vielen Dinge, die da so eine Rolle spielen. Ich habe ihm sofort die Geschichte mit Uwe gesteckt. Bamberg ist sexy. Mein Hotel Zimmer hat die Fenster zu den Straßen Cafes, aber egal.
Am Kanal
Jürgen
Tag 22
Bamberg - Kulmbach 83km
Es geht meistens den Main-Radweg entlang. Das ist viel kurzweiliger als am dummen Main-Donau-Radweg Kanal. Ich entscheide mich, daß ich ab morgen in nur noch 3 Etappen nach Masserberg fahre, dann ist Schluss. Es werden zwar nur noch 180 km sein, aber eben auch 2400 hm. Mal sehen. Ich sehe die Plassenburg von meinem Hotel Fenster. Aber hinlaufen werde ich nicht, kein Bock.
Seltener Schatten
Tag 23
Kulmbach - Kornbach 57km
Zu Beginn ging es “idyllisch” an den Bundesstraßen 289/303 entlang. Aber dann, hinter Bad Berneck ein traumhafter Anstieg dem Weißen Main entlang, absolutes Highlight! Leider musste ich mich von ein paar E-Bikisten Überholen lassen, es waren halt 300hm am Stück. Für Leute, die den Osten der Republik für trostlos halten, schaut euch mal Gefrees an. In einem trotzlosen Café (Selbstbedienung) einen trotzlosen Eiscafé aus einem Pappbecher getrunken. War halt Zonenrandgebiet. Hinter Gefrees habe ich mich verfahren, egal. Hab dann auf der Bank unter diesem Baum (Foto) gelegen, war schön. Ich musste nach Kornbach zu meinem preiswerten (47€) Hotel (Gasthof Kornbachtal). Duschen ging nur kalt. Hmm. Aber dann, der geilste Garten ever, das Beef direkt von der Nachbarwiese. Lecker und schön, Empfehlung! Für den Folgetag habe ich umgeplant, ich werde in Wurzbach in einem alten FDGB Heim übernachten. Die letzten beiden Etappen werden kürzer sein. Ich werde die letzten beiden Tage genießen.
Am Weißen Main
Baum über Bank
Gasthof Kornbachtal
Tag 24
Kornbach - Wurzbach 63km
Es ging relativ direkt nach Wurzbach, viel auf und ab größeren Straßen. Etwa 15 km vor dem Ziel fing es tatsächlich an zu schütten, das allererste Mal seit Beginn der Tour. Auch wenn es nur 60 km waren, mir hat es gereicht, zumal ein paar knackige Anstiege dabei waren. Deutschland ist auf beiden Seiten der ehemaligen Grenze nicht so toll. In Bayern trostlose Gewerbegebiete mitten wo es einmal schön war, im Osten (Wurzbach) richtig herunter gekommene Straßenzüge. Das Hotel in Wurzbach war Klasse auf seine Art. Der “Speisesaal” war absolut okay (Selbstbedienung, großes Buffett) Familien mit kleinen Kindern können sich da wohlfühlen. Ich habe mir den Bauch böse vollgeschlagen.
Endlich Regen
Tag 25
Wurzbach - Masserberg 62km
Der Regenradar sagt, bis 12:00 Uhr schifft es in Wurzbach, also egal, losfahren. Entsprechend bin ich nach 10km nass bis auf die Knochen. Von daher stört es mich nicht, daß der Rennsteig hinter Steinbach am Wald entlang einer viel befahrenen Straße verläuft. Die Kilometer rollen so weg. In Steinbach am Wald gibt es an der Tanke einen Kaffee und einen Snickers (Brötchen haben die nicht) und in Neuhaus am Rennweg gibt es bei Rewe Bockwurst und Leberkäse im Brötchen. Ich treffe die beiden Mädels aus Johanngeorgenstadt (Foto) mit ihren 40kg Brutto Rädern. Die fahren die innerdeutsche Grenze ab in 4 Wochen. Siehe auch YouTube Kompass Fieber. Der Rennsteig-Radweg in Thüringen gefällt mir immer noch, gerade weil noch nicht asphaltiert ist. Man muss halt wissen, die Kilometer rollen nicht so schnell weg. Die letzten Kilometer nach Masserberg genieße ich.
Mädels mit schwerstem Gepäck
Der Thüringer Wald
Erkenntnisse
Viele. Für mich war es einmal wieder die Bestätigung, es geht viel mit dem Rad.